Almaty – Regenschauer ohne Ende

In Almaty sind wir bei dem lieben Nikolai untergekommen, 21 Jahre, studiert Deutsch und Englisch und wohnt in einem kleinen Häuschen mit Garten. Plumpsklo und Tröpfeldusche befinden sich auch im Garten. Er hat einen Hund namens Bobo, den unsere Kinder aber fröhlich Popo genannt haben. Dazu gabs noch einen Schmusekater, der alles mit sich machen ließ. 

   

   

Wir durften in Nikolais Doppelbett schlafen, Iuliia auf dem Schlafsofa und er selbst hat in der 4 qm großen Küche auf der 1,5 m langen Küchenbank geschlafen. Auch nach mehrmaligem Auffordern, er solle doch bei Iuliia im Wohnzimmer auf dem Teppich schlafen, hat er auf seiner Küchenbank beharrt. 

Überhaupt war er sehr hilfsbereit und es war mal echt entspannend, dass wir uns mal nicht darum kümmern mussten, wo der nächste Bankautomat ist, wie mit dem Bus von A nach B kommen, usw. Nikolai hat uns am Morgen erst mal zu einem riesigen Supermarkt gebracht, wo wir nach sechs Wochen länger Abstinenz endlich wieder Brot kaufen konnten. Leo hat sich am meisten auf den Käse gefreut, Jana auf Sprudelwasser. Wir haben Grießbrei gekauft, Käse, fünf verschiedene Brotsorten, Frischkäse, Schokolade und noch viel mehr, sodass uns der Einkauf fast Hundert Euro gekostet hat. Wieder zurück bei Nikolai gab es einen Festschmaus: Richtige Nudeln mit einer Frischkäse-Brokoli-Lachs-Soße.

Nach dem Essen haben wir dann unsere Rucksäcke gepackt für eine Wanderung in die Berge, deren Schneebedeckte Gipfel direkt vor Almaty bis zu 4000 Meter in die Höhe ragen. Nikolai hat uns begleitet. Er hat Iuliia Schlafsack und Isomatte geliehen und sie durfte bei ihm im Zelt schlafen, da es in unserem Dreimannzelt sonst doch ganz schön eng geworden wäre. Er selbst hat sich nur eine kleine Frotteedecke mitgenommen, weil es sowieso so warm war. 

Man fährt mit dem Bus vom Zentrum Almatys bis direkt in die Berge, wo ein riesiges Eisstadion, das Medeo, steht. Von dort läuft man nur noch ein Stück Teerstraße und dann ist man gleich in den wilden Bergen mit Pferden und Yaks und Kühen. Auf dem Weg nach oben haben wir eine Gruppe Gehörlose getroffen. Michi konnte sich richtig gut mit Ihnen unterhalten. Wir haben natürlich von Lisa erzähltund Telefonnummern ausgetauscht. Nachdem wir noch ein Foto zusammen gemacht hatten, wollten wir weitergehen, die Gehörlosen sind umgekehrt. Es hat leicht angefangen zu regnen. Nikolai meinte noch, das ist nicht schlimm, die Wolken sind nicht schwarz. Da haben wir uns umgedreht und standen vor einer riesigen schwarzen Wolkenwand, die in einer unglaublichen Geschwindigkeit auf uns zugerollt kam. Sekunden später hat es geschüttet wie aus Kübeln. Nikolai meinte, das dauert bestimmt nicht lange, also sind wir weiter hoch. Zum Glück hatten wir den Zeltboden, mit dem haben Michi und ich unsere Rucksäcke bedeckt. Die Regenjacken waren aber auch bald durch, alle, inklusive Kinder waren nass bis auf die Unterhose und es wurde richtig kalt. Irgendwann hat sich das Tal dann endlich geweitet und es gab eine zumindest ansatzweise gerade Fläche, um unser Zelt aufzubauen. Nikolai und Iuliia haben leider nur einen schiefen Platz bekommen. (Iuliias Kommentar nach zwei Nächten wieder zurück bei Nikolai auf die Frage, wie sie im richtigen Bett geschlafen habe: „Finally not sliding down any more!“)

Als das Zelt schließlich stand, ist Leo vor Erschöpfung gleich eingeschlafen. Wir haben noch leckere Nudeln mit Konservenfleisch und Ketchup gekocht und sind dann alle schlafen gegangen. Nikolai war sehr froh über meinen tibetischen Mantel, den wir zum Glück mitgenommen hatten, sonst hätte er in seiner durchnässten Frotteedecke sehr gefroren.

Der Wetterbericht für den nächsten Tag sagte Regen bis Mittags Voraus, dann sollte es besser werden. Für die Kinder hatten wir zum Glück noch Leggins dabei. Die nassen Socken haben wir durch Plastiktüten ersetzt (gar nicht so schlecht!) und sind dann losgezogen um Brennholz zu sammeln. Die Kinder haben es natürlich geschafft, auch ihre Leggins zu durchnässen – war aber auch echt schwer bei dem Wetter trocken zu bleiben – und so habe ich den Rest des Tages mit den beiden im Zelt verbracht, während Michi bei stetem Regen versucht hat, die Kleidung über dem Feuer zu trocknen – eine echte Sisyphusarbeit-Arbeit! Wir haben auf jeden Fall beschlossen, noch eine Nacht zu bleiben, da wir sonst alles im Regen hätten zusammenpacken müssen, und haben einfach auf den nächsten Tag gehofft. Iuliia und Nikolai sind noch einmal zurück gelaufen, um unseren Proviant aufzustocken.

Spätabends hat man endlich durch die Wolken einen Stern gesehen. Als wir aber frühs aufgewacht sind und es schon wieder regnete, hätte ich am liebsten losgeheult. Nach einer weiteren Stunde Schlaf jedoch hat es die Sonne immerhin geschafft, mal kurz einen kleinen Strahl auf uns zu werfen. Die Gunst der Stunde haben wir genutzt und alles zusammengepackt. Die nasse Kleidung haben wir aufgehängt. Nach einem kleinen Spaziergang zum nächsten Schneefeld wollten wir uns auf den Rückweg machen. In dem Moment kam von der einen Seite eine Herde Kühe, von der anderen Seite eine Herde Yaks und wir durften Zeugen eines echten Kuhbullen versus Yakbullen – Kampfes werden. Zum Glück waren wir schon ein paar Meter weiter! 

Auf dem Rückweg hatten wir dann bestes Wetter, so dass wir sogar die Sonnencreme ausgepackt und die Kinder in einer eiskalten Quelle gebadet haben. Völlig verdreckt sind wir schließlich mit dem Bus und der Ubahn zurück zu Nikolais Haus gefahren, wo wir erstmal zwei Ladungen durch seine Waschmaschine gejagt haben. 

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich schon weiter nach Bischkek fahren. Nikolai hat nur gar nicht verstanden, warum immer alle nach Kirgistan wollen und Kasachstan nur auf der Durchreise mitnehmen. Er wollte uns mit allen Mitteln überzeugen, noch zu bleiben. Da die Wäsche sowieso noch nicht trocken war und wir noch ein paar Sachen einkaufen wollten, sind wir also noch eine Nacht geblieben. Nach einem Besuch bei der Polizei, um abzuklären, ob wir eine Registration brauchen, und nach dem Einkauf hat es schon wieder angefangen zu stürmen. Nikolais Nachbarin hat zum Glück all unsere Sachen, die draußen hingen, in Sicherheit gebracht.

Abends haben wirklch einen ganz interessanten Spaziergang zu einem Wald mitten in Almaty gemacht. Da sind wir an einem uralten Bewässerungskanal mit Stadtbad, der zu Sowjetzeiten angelegt worden war, vorbei gekommen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion fehlte allerdings das Geld, diese Anlagen zu unterhalten. Vor fünf Jahren sollte das ganze wohl wieder reaktiviert werden, es wurden vier riesige Wasserrutschen mit separaten Becken gebaut, aber Nikolai meinte, das Geld dafür ist schon in irgendjemandes Tasche verschwunden, bevor das Ganze fertig war. Jetzt stehen da dieseriesigen Rutschen. Die Kinder waren furchtbar enttäuscht, weil das Rutschen auf diesen völlig verrosteten Dingern dadurch verhindert wurde, dass die Becken, in denen man landet, voll total verdrecktem und vermülltem Wasser waren.

   

Heute Vormittag hat Nikolai uns noch zum Bus gebracht. Er meinte noch, dass ihm jetzt furchtbar langweilig sein wird ohne uns. Im Sommer macht er aber einen Sprachkurs in Deutschland und dann kommt er uns auch besuchen. Die Fahrt nach Bishkek und der Grenzübergang waren diesmal glücklicherweise ganz entspannt und ohne großartige Vorkommnisse – abgesehen von der unglaublich schönen Landschaft mit Wiesenhügeln voller Mohnblumen vor schneebedeckten Gipfeln auf der einen Seite und endloser Steppe mit Schaf- und Pferdeherden auf der anderen Seite. Leo hat die Grenze verschlafen. Von Bishkek schreib ich dann im nächsten Bericht weiter.

  

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