40 Stunden nach Lanzhou

Ja, nach 40 Stunden erlebnisreicher Zugfahrt, deren Einzelheiten wir euch hier ersparen – naja, vielleicht auch nicht, man sagt ja „geteiltes Leid ist halbes Leid“, oder? – sind wir im Mittelalter angekommen, in der Loessmetropole Lanzhou. Michi singt „Oh du staubigehe…“ Er hat sich gerade geduscht und genießt seine Sauberkeit, bevor er sich ins staubige Bett im staubigen Zimmer im staubigen Hostel hinlegt. Tagsüber werden hier die Straßen gegossen, um den Staub etwas in den Griff zu bekommen. Aber naja, erstmal zum Anfang bzw. letzten Tag in Kunming.

Heather hat an unserem letzten Tag wieder einen Couchsurfer bei sich aufgenommen, Jake, der in Beijing im Health Management gearbeitet hat und jetzt nach Nepal will. Mit ihm und Heather sind wir noch Mittagessen und anschließend in die Altstadt von Kunming gegangen, wo es echt toll war, wie auf einem Jahrmarkt. Es war immer noch Urlaub für die Chinesen und dementsprechend was los: traditionelle Tänze und Gesang aus Kunming, chinesische Oper, wie beim Karneval hat eine Prinzessin auf einer Stange Süßigkeiten und Geschenkchen geworfen und alle Kinder, die nichts abbekommen haben, haben geheult. Michi und Jake haben glücklicherweise je einen Lolli gefangen. Jana hat trotzdem geweint, weil sie keinen Lolli wollte, sondern ein kleines blaues Bärchen. Tja, das Leben ist manchmal echt fies…

 

  

  

    

Leider hatten wir nur sehr wenig Zeit, weil wir den Zug um sieben Uhr abends erwischen mussten. Heather und Jake sind noch geblieben, also haben wir uns schweren Herzens von unserer lieben Gastgeberin verabschiedet. Sie meinte immer: „Jana is the strongest Girl and Leo the cutest thing I’ve ever seen.“ Wir haben unser Gepäck noch bei ihr abgeholt und uns auch noch von ihrer Handyspiel-Süchtigen Schwester verabschiedet und haben mit ach und Krach noch unseren Zug erwischt.

Unser Abteil haben wir zunächst mit einem, wie es schien, frisch verliebten Pärchen geteilt, die zwar sehr hilfsbereit und nett waren, allerdings geht mir dieses ständige Fotografiere so auf den Keks. Die Hälfte aller Chinesen ist unserer Meinung nach „Selfy-süchtig“. Für alle die, die das noch nicht kennen: ein Selfy ist, ein Foto von sich selbst, zumeist mit dem neuesten und tollsten Smartphone gemacht, das gerade zu haben ist. Anschließend werden diese Selfies dann auf irgendwelchen Seiten gepostet. Solange die Chinesen das nur mit sich selbst machen, sollen sie nur, aber das ständige Gepose mit unseren Kindern nervt doch schon ganz schön. Da kommen dann manchmal richtig ungute Gefühle hoch. Meistens sagen Jana und Leo zum Glück aber sowieso, dass sie nicht wollen. Nach der Hälfte der Strecke sind die zwei dann ausgestiegen und es kamen neue, mit denen das Fotografieren dann weiterging…

Die nächste Herausforderung bei so einer Zugfahrt ist der Klogang. Ein Wagon hat immer ein Stehklo und ein Sitzklo. Das Sitzklo kann man nur im Notfall verwenden, da es immer so schnell verdreckt ist. Eine Person im Zug hatte scheinbar so einen Notfall, auf jeden Fall standen alle Schaffner davor und haben sich kaputtgelacht. Michi wollte das Maleur sogar fotografieren, bei dem alles außer das Klo selbst was abgekriegt hat, leider – oder eher glücklicherweise war unsere Schaffnerin so eine fleißige, dass sie gleich wieder alles sauber gemacht hat.

Im großen und Ganzen haben wir die Fahrt aber doch gut überstanden. Lanzhou ist wie gesagt staubig, aber mit sehr freundlichen und nicht zu aufdringlichen Leuten. Die Stadt liegt in einem engen Tal am Gelben Fluss in einem riesigen Loessgebiet. Daher hat der Gelbe Fluss auch seinen Namen und deswegen ist hier auch alles so staubig. Heute sind wir auf einen Berg gestiegen mit einem alten Buddhistischen Kloster. Auf dem Weg hoch haben wir zwei junge Köche aus Ürümqi kennengelernt, die uns nach dem gemeinsamen Abstieg noch zum Abendessen eingeladen haben. Es gab Schweineohren, Krabben, Tofu, Wasabisalat, irgendwas undefinierbares mit Erdnüssen, Rindfleisch mit Paprika und Suppe. Die Köche waren nicht so begeistert vom Essen, uns hat’s aber geschmeckt – sogar die Schweineohren könnte man essen. Jana probiert inzwischen alles, erst recht wenn es sich um so Abstrusitäten wie Schweineohren handelt. Ihr haben sie auch geschmeckt, waren nur leider etwas zu scharf für sie.

Ein Gedanke zu „40 Stunden nach Lanzhou“

  1. ihr lieben! wow! nach einiger Zeit wieder auf eure Seite geschaut! es macht so Spaß zu lesen, was ihr alles erlebt. vielen lieben Dank, dass ihr uns an dieser eurer erlebnisreichen Reise teilhaben lasst!! wir schicken euch herzlichste sommerliche grüße aus seeon und wünschen euch weiterhin eine ultra- mega- end- krasse Zeit!! fühlt euch umarmt

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